Leserbrief von Leonhard Grimmer, Anzeiger vom 3. September 2013

von hedingenhandelt

Nun liegt der orange Stimmzettel vor mir und ich mache mir nochmals Gedanken zum Antrag des Gemeinderates und zu den Diskussionen an der Gemeindeversammlung vom 13. Juni 2013. Damals stimmte die Versammlung mit 173 Ja-Stimmen zu 91 Nein-Stimmen dem Antrag des Initiativkomitees zu, dass die Gemeinde Hedingen mit einer Summe von 110 000 Franken Projekte von Hilfsorganisationen unterstützen soll. Weil dann mit 91 Stimmen, das notwendige Drittel für eine nachträgliche Urnenabstimmung erreicht wurde, bietet sich nun die Gelegenheit, die ganze Geschichte nochmals vor Augen zu führen: Der Börsengang des Rohstoffkonzerns Glencore im Jahr 2011 brachte dem Kanton Zürich 360 Millionen Franken an Steuern ein. Da-mit können für das Jahr 2013 wesentlich höhere Finanzausgleichsbeträgeausgerichtet werden. Wie ich der Ta- belle der kantonalen Finanzdirektion entnehmen kann, wurde für die Gemeinde Hedingen für das Jahr 2012 ein Ausgleichsbetrag von 470 504 Franken errechnet, während wir für das Jahr 2013 einen solchen von 2 245 512 Franken erwarten können. Eine ganz schöne Summe! Das seien ordentlich versteuerte Einnahmen, es bestehe daher kein Grund, davon etwas über die Hilfswerke an die Länder zurückfliessen zu lassen, wo die zu riesigen Gewinnen führenden Rohstoffe herkommen, begründet der Gemeinderat. Auch die Rechnungsprüfungskommission ist dieser Meinung. Diese ausserordentlich hohen Steuereinnahmen, die zu einem einmalig hohen, vielfachen Finanzausgleichsbetrag des Kantons an unsere Gemeinde führen, sind für mich nicht einfach gewöhnlich. Sie ermöglichen uns wohl, noch besser und unbesorgter in unserer schönen Gemeinde zu Leben. Über alles gesehen, wird aber mit steigendem Wohlstand die Attraktivität unseres Landes für ärmere Menschen und und Flüchtlinge noch grösser, als sie heute schon ist. Macht eine sollche Entwicklung längerfristig Sinn?

Weshalb sind wir nicht bereit, die armen Länder schon heute etwas grosszügiger zu unterstützen? Dort, wo mit einem Franken viel mehr erreicht werden kann, als bei uns, wo alles so teuer ist? Die Bedenken kenne ich: Dort versickert das Geld in Korruption oder geht an falsche Adressen. In Kenntnis dieser Gefahren sollten wir jetzt überlegt handeln, weil die Unterstützung guter Projekte nachweislich wirksam und sinnvoll ist. Zuverlässige Institutionen mit Vertrauenspersonen vor Ort leisten Hilfe, welcher zur nachhaltigen Selbsthilfe für die Bevölkerung werden. Eine sorgfältige Auswahl der Projektpartner ist daher entscheidend für die Wirkung unserer Unterstützung. Ich meine, dass mit den vom Initiativkomitee vorgeschlagenen Organisationen und Projekten diese Kriterien weitgehend erfüllt sind und schreibe daher Ja auf den Stimmzettel zur Initiative „Rohstoffmillionen Hedingen handelt solidarisch“.

Leonhard Grimmer, Hedingen

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