„Hedingen spendet für Opfer des Rohstoffabbaus“, NZZ Online vom 22. Septembe 2013

von hedingenhandelt

Die Gemeinde Hedingen im Knonauer Amt spendet 110 000 Franken für drei Hilfswerkprojekte. Das Geld kommt Opfern des Rohstoffabbaus zugute. Die Stimmbürger sagten mit 54 Prozent Ja zu einem Vorstoss, der verlangt, dass ein Teil der Steuereinnahmen gespendet wird.
110 000 Franken aus der Gemeindekasse von Hedingen fliessen an Hilfswerke. So wollen es die Stimmbürger.
110 000 Franken aus der Gemeindekasse von Hedingen fliessen an Hilfswerke. So wollen es die Stimmbürger. (Bild: Gaëtan Bally / Keystone)
Stefan Hotz

Hedingen denkt global und handelt lokal. Als erste Gemeinde im Kanton Zürich leitet sie einen Teil der ausserordentlichen Steuereinnahmen nach dem Börsengang von Glencore an Hilfswerke weiter.

Diese setzen das Geld in Ländern ein, wo der Rohstoff-Konzern mit Sitz in Zug tätig ist. Von den Steuereinnahmen der Glencore-Manager floss 2012 über den kantonalen Finanzausgleich ungefähr eine Millionen Franken in die Kasse von Hedingen Davon spendet die Gemeinde nun 110 000 Franken.

Stimmbeteiligung mit 60 Prozent sehr hoch

Die vorbehaltlose Annahme dieses Geldsegens sei bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf Kritik gestossen, schreibt das Komitee «Rohstoffmillionen – Hedingen handelt solidarisch» nach Bekanntwerden des Resultats. Seine Initiative wurde im Juni an der Gemeindeversammlung sehr deutlich angenommen, gleichzeitig erzielte ein Antrag auf Urnenabstimmung knapp das nötige Quorum. Jetzt haben die Stimmberechtigten den Entscheid gegen den Willen des Gemeinderats bestätigt; mit 764 Stimmen oder 54 Prozent Ja gegen 662 Nein-Stimmen. Die Stimmbeteiligung betrug 60 Prozent.

Hedingen setze damit ein Zeichen der Solidarität zugunsten jener Menschen, die durch den Rohstoffabbau zu Schaden gekommen seien, erklärt das Initiativkomitee. Der Rohstoffkonzern bezahle in den Abbauländern praktisch keine Steuern, hinterlasse aber Belastungen, die der Umwelt und der Gesundheit der Bevölkerung schadeten.

Hilfe für Kleinbauern

«Wir freuen uns sehr, dass Hedingen in dieser Frage vorangeht», erklärte Erstunterzeichner Peter Lanzendörfer auf Anfrage. Besonders zufrieden ist er über die enorm hohe Stimmbeteiligung, die zeige, dass Befürworter und Gegner an die Urne gegangen seien.

Das Geld geht zu gleichen Teilen an drei Organisationen: an HEKS, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz, für ein Projekt, das Kleinbauern im Kongo Zugang zu Land verschafft, an Helvetas zur Unterstützung von Kakaobauern in Bolivien und an ASK, die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien, für den Schutz der Menschenrechte von Landbewohnern, die durch den Kohleabbau vertrieben werden.

5 weitere Initiativen hängig

Der aussergewöhnliche Urnenentscheid kann eine Signalwirkung auf weitere Gemeinden haben. In Affoltern am Albis, Hausen am Albis, Obfelden, Kappel am Albis und Mettmenstetten sind ähnliche Initiativen eingereicht worden, über die Ende Jahr die Gemeindeversammlungen entscheiden wird.

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