Stimmen zur Initiative

Leserbrief von Oliver Classen, Pressesprecher EvB, NZZ vom 21.9.2013:

„Zivilcourage gegen Zwangsbeglückung
In seinem spöttischen Kommentar zum wachsenden Widerstand im Zürcher Säuliamt gegen die Steuermillionen von Glencore-Managern empfiehlt Thomas Ribi den Initianten „zu überlegen, bevor man handelt“ (NZZ 19.9.13). Genau das haben die überparteilichen Komitees in den inzwischen schon sechs Gemeinden aber offensichtlich getan. Und sie sind dabei zum durchaus denkwürdigen Schluss gekommen, dass Steuergeld nicht automatisch Weissgeld ist. Vor allem nicht, wenn es aus den so undurchsichtigen wie unterregulierten Geschäften des Branchenprimus Glencore Xstrata stammt.
In Bundesbern gilt der Rohstoffsektor bis anhin nur als potenzielles Reputationsrisiko. Im ländlich-bürgerlichen Knonauer Amt hingegen hat er schon ein sehr reales Reputationsproblem. Dieses hat nun erste politische Konsequenzen, wenn die 3500-Selen-Gemeinde Hedingen diesen Sonntag über die Weiterleitung von 110 000 Franken aus dem fragwürdigen Geldsegen an Hilfsprojekte in zwar rohstoffreichen, aber trotzdem bettelarmen Entwicklungsländern entscheidet. Wenigstens ein Teil der Rohstoffprofite soll also dorthin zurückgehen, wo sie eigentlich hingehören.
Dank guten Argumenten, breiter Mobilisierung und einer deutlichen Mehrheit bei der vorgängigen Gemeindeversammlung stehen die Chancen sehr gut, dass die Hedinger „Solidaritäter“ ihr avantgardistisches Anliegen durchsetzen. Dieses Ja zu weniger Wegschauen und mehr Verantwortung hätte natürlich Signalwirkung. Kein Wunder wird auch die NZZ langsam nervös. Dabei fordert sie sonst gerne couragierte Citoyens. Hinter dem Üetliberg leben einige unterstützungswerte Exemplare dieser raren Gattung. Sie verdienen Respekt statt Spott.“

Johannes Bardill mit einem Leserbrief in der Zürichsee-Zeitung vom 30. Oktober 2013

„Im letzten Jahr wurde viel Geld nach Horgen getragen. So viel, dass es angeblich wehtut. Meine Wohngemeinde Horgen hat einen Steuerfuss von 90 Prozent. Das ist anständig, moderat und weniger als die vollen 100 Prozent. Dank einer soliden gutbürgerlichen Finanzpolitik konnte dieser Satz seit einigen Jahren stabil gehalten werden. Das ist angenehm und ein Dank an die Verantwortlichen wert. Wenn wir nun ein überdurchschnittliches Steuerjahr hinter uns haben, macht es mich auch stolz, dass unser Gemeinwesen einen tollen BEtrag in den Topf für weniger betuchte Gemeinden legen kann. Ich verstehe, dass man sich als Politikerin oder Politiker beim Weiterleiten vom 14,4 Millionen Franken einen Augenblick lang überlegt, was man selber mit dem Geld alles machen könnte. Wem dieses Minimum an Solidarität aber „weh“ tut, bei dem hat Geld den falschen Stellenwert, oder er hat sich in der Wortwahl vergriffen. Die kleine Zürcher Ausgleichsgemeinde Hedingen im Säuliamt hat am letzten Abstimmungssonntag ein anderes Zeichen gesetzt; sie hat einer Initiative zugestimmt, die 110’ooo Franken, die ihr aus dem Finanzausgleich zustehen, an Orte weitergeleitet, wo unser Wohlstand wirklich wehtut. Die Steuergelder der Rohstofffirma Glencore sollen denen zurückgegeben werden, die an der Rohstoffgewinnung am meisten verlieren. Hedingen setzte damit ein umstrittenes, aber beherztes Hoffnungszeichen. Hedingen steht dafür, dass es Dorfgemeinschaften gibt, denen finanzielle Solidarität nicht im Herzen wehtut und die nicht einfach jedes Geld nehmen, das ihnen angeboten wird. Ich habe Horgen gern und fände es gut, wenn unser Gemeinderat seinen Phantomschmerz bald überwände und sich mit mir und anderen darüber freut, dass wir in der Lage sind, unseren Steuersegen grosszügig mit anderen teilen zu dürfen.“

Alya Houdaf

„Es ist absolut genial, ich danke allen welche diese Initiative ins leben gerufen haben! Das ist genau mal eine Möglichkeit, wo wir in nächster Nähe etwas gegen globale Ungerechtigkeiten vornehmen können! Wegschauen ist so einfach, Handeln braucht mehr Energie und es freut mich extrem, dass es immer wieder Leute gibt, die das auch tun! Ich werde sicher kräftig im dorf dafür werbung machen und auch an der Gemeindeversammlung dabei sein.“

Anne-Marie Wirth

 „Danke für die Informationen. Natürlich habe ich davon auch gehört, habe in Zug vor etwa einem Jahr auch einmal eine Demo erlebt im Zusammenhang mit den Geschäften von Glencore. Ich habe auch den Leserbrief im Anzeiger nach der letzten Gemeindeversammlung gelesen. Ich bin ganz eurer Meinung und habe mich im Unterstützungskomitee eingetragen. Ich finde es toll, dass ihr diese Initiative ins Leben gerufen habt und bin jetzt gerade stolz, in Hedingen zu wohnen und aktiv einen solchen Schritt unterstützen zu können.“

Walter Kunz (auf TA-Online zum Artikel über den Abstimmungsausgang)

„Gratulation an alle Stimmbürger in Hedingen zu diesem Vernünftigen Entscheid.“

Markus H. Meierhans (auf TA-Online zum Artikel über den Abstimmungsausgang)

„Tolle Sache. Hut ab vor diesen Bürgern. Zeigt, dass die Gier bei den Aktionären stärker ausgeprägt ist als bei den Bürgern in einer Demokratie. Und dass in einer Demokratie nachhaltiger gedacht wird als in einer Aktionärsgesellschaft.“